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  • E-Gitarre - Saitenstärke

     

 

 

 

T h e   I n t r o d u c t i o n

 

 

Welche Bedeutung hat Saitenstärke bei der Besaitung von E-Gitarren?  Um uns dem Thema zu nähern,

reduzieren wir für heute das Ganze zuerst mal:

Nix teure Jazz-Gitarre, Les Paul, Edel-Strat, Highend-Klampfe oder sonstwas. Nee, fangen wir mal historisch, produktionstechnisch sowie vielleicht auch optisch etwas weiter vorne im letzten Jahrhundert an.

 

Wir wollen uns mal eine Telecaster vornehmen und herausfinden, was so passiert, wenn wir verschiedene Stärken von Saitensätzen auf Leo Fenders Erstlingswerk bzw. den bezahlbaren zeitgenössischen Exemplaren aufziehen.

 

Wie, Saitensätze gibt es in verschiedenen Stärken, also unterschiedlich dicke Drähte? Na klar, da gibt es eine dünne und ein dicke E-Saite. Die anderen sind dann ja dazwischen.

Soweit gar nicht schlecht... Was hier gemeint ist, ist daß alle 6 Saiten eines Satzes vergleichsweise dicker oder dünner sind als bei einem anderen Satz.

 

Als jüngerer Mensch, Ungeübter oder Neuling müssen die Dinger natürlich leicht zu drücken sein - also schön dünn und nicht so wie auf Muttis Westerngitarre (oder auf der von der hübschen Nachbarin, hehe).

Man bedenke aber, dünne Saiten klingen eher leise, während dicke dann vergleichsweise lauter sind.  Da wir aber bei den elektrischen Gitarren sind, keine Sorgen, denn: Laut macht ja zum Glück der Verstärker.

 

 

 

 

 

G r u n d l e g e n d e s


Saiten für Gitarren werden in der Regel als Packung mit einem kompletten Satz von mindestens 6 verschiedenen Einzelsaiten gehandelt (je eine zusätzliche hohe e- oder H-Saite sind bei einigen Anbietern schon mal mit dabei, könnten ja schnell reißen). Die Saiten heißen nach ihrer beabsichtigten Stimmhöhe. Zudem werden sie auch gerne
durchnummeriert oder farblich codiert.

 

Vom dünnen nach zunehmend dicker werdenden Durchmesser, also von links nach rechts,

lässt sich das wie folgt darstellen:

1        2         3         4        5       6     Nummer
e        H         G         D       A       E     Ton


Nehmen wir eine für meinen Geschmack mittelstarke Saiten-Zusammenstellung, finden wir

auf der Schachtel diese korrespondierenden Ziffern:
10          13           15            26          36          46     US-Kürzel

Das ist das praktische Kürzel für diese Inch-Angaben hier:
0.010        0.013        0,017        0,026        0,036        0,046

Wer das in Millimeter umrechnet, bekommt dafür nachstehende Werte:
0,25         0,33          0,43         0,66          0,91            1,17

Bei normaler Stimmung und einer Fender-Mensur haben die Saiten eine Spannung, die sich

in Kilogramm Gewicht ausdrücken lässt (circa):
7,35         6,98         7,53          7,67          8,30          7,39

Wer nun diese Kilos zusammenrechnet weiß, was an seinem Gitarrenhals zerrt. Ich komme auf eine Kraft

von etwas über 45,2 Kilogramm, die den Hals zum Korpus zieht.

 

 

 


Gehe ich frohen Mutes in einen Laden und frage nach einem 10er-Satz für E-Gitarre, bekomme ich in der Regel

Saiten mit den oben genannten Stärken. Wenn es so einfach wäre, könnte ich für heute Schluss machen –

und verabschiedete mich mit einem freundlichen Tschüss.

Nee, nee! Für jeden persönlichen Geschmack oder Bedarf gibt es Saitensätze, die alle möglichen Stärken (Durchmesser) kombinieren. Dazu hat sich jeder Hersteller noch seine ureigenen Bezeichnungen/Kennungen

für die ansonsten (auf den Durchmesser bezogen) gleichen Sets einfallen lassen.
„10 auf 46“ heißt dann einmal Regular, mal Medium, Light Gauge oder auch Regular Light.

Tatsächlich sieht man da schon, dass die Bezeichnungen der Hersteller einen nicht wirklich weiterbringen.

Also die Stärken der Einzelsaiten merken (zumindest die der äußeren Saiten, also der dünnen und dicken E-Saite)

und auf der Packung kontrollieren, ob es denn genehm ist, was drin sein soll.

Genau genommen ist auch darauf zu achten, ob die G-Saite (Nr. 3 ) umsponnen sein soll (plain or wound).

Aus Versehen kann man halt ein Set mit der „falschen“ G-Saiten-Ausführung erwischen.

In jüngster Zeit werden zunehmend sogenannte ausbalancierte Sets angeboten.
Die Idee dabei ist, die Saiten sollen möglichst eine annähernd gleich starke Spannung erzeugen. Das ist für ein gleichmäßiges, ausgewogeneres Spielgefühl von Bedeutung. Ein 10er-Set kann dann die folgenden abweichenden Durchmesser aufweisen:

1         2         3        4         5        6     Nummer
e         H         G        D        A        E     Ton


10        13        17        26        36        46    Standard

10        135        17        24        34        46    Balanciert

Wem ein 10er-Set für seine Telecaster zu dick ist, der nimmt bei der nächsten Gelegenheit ein Set mit der Kurzbezeichnung „9 auf 42“, „9 nach 42“ oder „9 bis 42“. Er sollte dann mit großer Wahrscheinlichkeit einen Satz mit diesen Stärken in die Hand gedrückt bekommen:

09        12        16        22        32        42    US Kürzel   

Wem ein 10er-Set für seine Les Paul zu dünn ist, der kann es mit einem Set „11 auf 48“ versuchen. Vermutlich bekommt

er folgende Stärken der Einzelsaiten:

11        14        18        28        38        48     US Kürzel

 

 

 

 

N u n   a n s   E i n g e m a c h t e

 

 

Wir haben in die Geldbörse gegriffen, einen 09er, 10er und 11er Satz Saiten gekauft, alsbald einen nach dem anderen

auf unsere Fender Telecaster gezogen. Ja, und man sieht es oben schon: Wir haben sie vorab gewogen!

Das 09er Set belastet die kleine Waage mit 14,5 Gramm. Beim 10er sind es dann bereits 17,3 Gramm.

Das 11er Set bringt es auf 18,8 Gramm.

Was passiert nun mit uns, der Gitarre und dem Gitarrenhändler?
Der Chef im Musikalienhandel bekommt überraschend rund 18 Euro in die Kasse und kann daher gleich Feierabend machen. Was passiert mit uns? Wir müssen erstmal wieder zurück nach Hause und stärken uns auf sicherem Boden mit einer Schüssel Haferbrei (kein Geld mehr fürs Steakhouse). Nachdem der Steakhouse-Besitzer mutmaßlich wohl über uns treulose Seelen geschimpft hat, muss er für heute sein Edelfutter einer anderen ernährungsrelevanten Verwertung zuführen. Wir haben derweil beinahe schon wieder Hunger und schauen währenddessen auf die Saiten in unseren Händen.

Äh, wozu war das jetzt nochmal?
Nach der ganzen Wechselei hat keiner mehr Lust, was darüber zu schreiben. Ich mache es daher kurz und schmerzlos.

Ist die Gitarre gut eingestellt (das ist hier der Fall) und wechselt man auf ein Set mit einer dünneren Saiten-Zusammenstellung (Light Gauge), ziehen weniger Kilos an unserer Telecaster. Die Gute neigt dann eher zum Schnarren, da die Saiten dichter am Griffbrett liegen. Klaro, der Hals, wenn er nicht aus Beton ist, macht sich gerade und verringert somit den Abstand der Saiten zum Hals.


Anders herum verhält es sich mit dem 11er-Set. Höhere Saiten-Spannung zieht den Hals in Richtung der Form eines Pflitzebogens. Der Abstand der Saiten zum Hals wird tendenziell größer. Man kann jetzt nur hoffen, die Schlitze

im Sattel sind für die dickeren Saiten nicht zu eng.
In beiden Fällen stelle man sich für eine lässige bzw. angemessene Bespielbarkeit die Saitenlage und bitte sehr natürlich die Intonation neu ein.
So, und was bringt das Ganze für das Spielen? Dünne Saiten spielen sich unter Umständen einfacher, das Saitenziehen

geht leichter von der Hand, aber dicke Drähte klingen einfach besser. Getreu dem Werbeslogan „We put more in,

you get more out“: Die Masse macht´s.

 

Kräftigere Saiten brauchen durchaus etwas Eingewöhnungszeit. Von daher steigert man

sich vielleicht stufenweise.

 

Es gibt ja Sets mit Zwischenstärken

wie „9,5 auf 44“ oder Custom-Sets bei denen

sich ein Endorser seine Lieblingskombination hat

herstellen lassen. Das Spielgefühl hängt

natürlich auch von der Mensur ab

(Länge der frei schwingenden Saite).

 

Die im Vergleich zur Fender-Mensur etwas kürzer ausgestaltete Gibson-Mensur (PRS liegt mit der

Ausnahme des Modells 245 zwischen beiden) verträgt

locker ein 10er-Set, wo man sonst der Fender ein

9er-Set verordnet.

   

Eine weitere Variante, sich mehr formbare Masse zur Verfügung zu stellen, sind Saiten verschiedener Hersteller, die mit einer Methode, die u.a. Compression-Winding genannt wird, produziert werden. Soll wohl darauf hindeuten, die Wicklungen der Saiten werden so mit Druck aufgebracht, dass eine höhere Masse bei gleichem Durchmesser möglich wird – auch nicht schlecht, oder?

Dicke Saiten spielen und Aua in der Hand. Nicht jede Hand macht den täglichen Saitenstress auf Dauer mit. Dicke Saiten provozieren unter Umständen Probleme mit der eigenen Physiognomie. Deshalb nicht allein, aber eben auch: Nehmt die Spannung aus den dicken Drähten, will sagen, benutzt ein Downtuning. Schon Ikonen wie Herr J. Hendrix stimmten die Gitarre aus klanglichen Gründen komplett einen Halbton, also auf „Es“, oder weiter herunter.  Gut, Nu- und Dark-Metal-Fredies braucht man das eh nicht zu erzählen. Die leben quasi davon.

Eine andere Art, sich Erleichterung zu verschaffen, könnten weichere Saiten sein. Wenn  es zum Instrument passt, kann man auf Pure Nickel Round Wound on Steel or Nickel Round Core gehen. Das ist mein Tipp für Fender- und Fender-style-Gitarren aus Esche (Swamp Ash, Northern Ash) mit kompletten Ahornhälsen (One-Piece Maple-Necks or with extra Maple Fretboard), also den etwas knalligeren Typ.

Wer aber freien Willens ein 9er-Set oder dünner auf seine Tele oder Strat spannt, darf sich nicht wundern, wenn die

ganze Einheit soundmäßig nicht so richtig fett überzeugend rüberkommt. Laut meine ich hier nicht: Phat!
Ich darf sie vermutlich standesgemäß nicht Kollegen nennen: Hier namentlich ungenannt bleibende wirkliche Filigran-Künstler versuchen aus verständlichen Gründen den Wechsel auf dicke Drähte zu vermeiden.
Seit Jahr und Tag experimentieren sie auf Ihren Vintage-Schätzchen mit output-starken, vintage klingenden und „unten rum“ dicken Humbuckern in der Bridgeposition. Denn schöner wäre für manch einen beides: Der dicke, fett schmatzende, raue Sound eines Stevie Ray Vaughans gepaart mit der bequem faulen Rentner-Saitenstärke eines zeitgenössischen

Billy Gibbons (007er-Sets ?!).
Ich habe aber dahin gehend gewisse Zweifel, ob man überhaupt, ohne etwas bewegen zu wollen, wirklich etwas von Bedeutung und Güte in Gang bringen kann?

Na, ich seh schon. Die feinen Herren drehen wie bisher einfach ihre Amps ordentlich auf und boosten die Bässe beziehungsweise Tiefmitten...wer wollte ihnen das verdenken?

 

 


 

 

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