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  • Esaite-Berichte: GRETSCH Sychromatic 400 MCV
     

 

 

Mit einigen Bildern wollen wir dieses Mal eine Gretsch Archtop aus japanischer Fertigung vorstellen. Da haben wir also eine wirklich dicke

Jazz-Mama. Die Decke besteht aus laminierter Fichte. Zargen und Boden wurden gleichfalls aus laminiertem Holz hergestellt. In diesem

Fall aus leicht geflammtem Ahorn. Der Hals wurde im Wesentlichen aus zwei Teilen zusammen geleimt. Allerdings kommen noch

Holzstreifen für die Verbreiterung der Kopfplatte hinzu und der Teil nach dem Halsfuß auf der Decke ist auch angesetzt. 

 

 

 

 

Die Brücke ist lose auf das Spruce-Top aufgesetzt und wird durch den Saitendruck in Position gehalten. Beim Saitenwechsel also immer

eine nach der anderen tauschen, sonst kann man sich die richtige Position für den Saitenverlauf über den Hals und die Intonation neu suchen.

Ich hatte mir einige Zeit lang mit Tesafilm eine Markierung gesetzt.

 

Derbere Praktiker nehmen auch schon mal dafür das Taschenmesser. Der einzelne Pickup ist mittlerweile gegen ein Exemplar von TV Jones ausgetauscht. Die wurden übrigens in Kooperation mit Brian Setzer entwickelt (Kappen aus dünnerem Material, etc.) und weisen klanglich

deutliche Vorzüge gegenüber den Japan-PUs auf, die vergleichsweise matter wirken.

 

 

 

 

Vor einigen Jahren hatte ich aus verschiedenen Gründen das eher zweifelhafte Vergnügen, zwei dieser Gretschs aus der gleichen Serie zu vergleichen. Das andere Exemplar mit Sunburst-Finish und zwei Pickups durfte sich bald wieder verabschieden, da es mir viel zu dunkel klang.

Na gut, ich erzähle die ganze Geschichte:

 

Mich besucht eines Tages ein Gitarrenliebhaber, der die wunderschöne 400 sah und sich in sie unsterblich verliebte. So weit so gut. Seine Begehrlichkeit steigerte sich dermaßen, dass er sie mir nun mit aller Macht abringen wollte. Nach viel hin und her kam er - als ich also immer noch nicht wollte - mit der Sunburst-Version dieser Gitarre bei mir angelaufen: "Schau mal, die ist doch genauso schön". Am Ende seiner Bemühungen machte ich den Tausch mit. Schließlich wollte ich nicht an seinem Unglück schuld sein. Das war - nennen wir ihn einfach mal den "St. Johannes" - eben seine Traumgitarre.

 

Nun saß ich da, mit der anderen Synchromatic - hm. Man sollte es aber nicht glauben, was wenige Wochen später geschah.

Beim Besuch meines damaligen Lieblingsgitarrenladens steht da plötzlich mein blondes Gretchen vor mir. Der heilige Johannes hatte sie doch tatsächlich binnen kürzester Frist dorthin verscheuert. Ich also mit der gesunburstedten Synchromatic nix wie wieder hin und fragen, ob ich meine alte Gretsch im Tausch wieder bekommen könnte? Ja, das ginge, entgegnete man mir charmant, aber leider, leider nur dann, wenn ich fünfhundert Mark oben drauf legen würde . . . außer Spesen nichts gewesen. Etwas später bekam ich erneut ein Tauschangebot. Dieses Mal bot man mir eine schweineteure Gibson Les Paul für die Synchromatic.

 

Was ist bloß mit den großen Jungens los? Ich hatte aber ein wenig dazugelernt und widerstand. Zurück zur Synchromatic.

Mit dem Bigsby-Vibrato lassen sich bei dieser Blondine schön schwebende glitzernde Farben erzeugen. Es empfiehlt sich sogar etwas die Höhen heraus

zu nehmen. Besaitet ist sie mit einem 11er-Satz. Bei lautem Betrieb neigt die Gitarre dazu, mit den Bässen in Resonanz zu gehen, so dass man für das erforderliche Dämpfen etwas Geschick benötigt. Die flachen Bünde gehören indes nicht gerade zu meiner Lieblingsausstattung,

wie der eine oder andere ahnen könnte.

 

 

 

 

Für mich hat sich zusehens gezeigt, dass der Saitenabschnitt zwischen Bigsby-Saitenhalter und Rollerbridge harfenähnliche Schwingungen

erzeugt. Von daher nehme ich gern ein Schuh- oder Lederband zwischen die Saiten, um an diesem Punkt die unerwünschten Resonanzen

zu minimieren.

 

Für die Fotos hab ich die Strippe natürlich abgenommen. Leider komme ich nicht drum herum, zu erwähnen, dass die an sich attraktiven

Griffbrett- Einlagen lausig gemacht sind. Da wurden entweder zu große oder ausgefranzte Fräsungen fabriziert oder die Inlays konnten

im Format nicht präzise genug gefertigt werden. Jedenfalls fällt dem aufmerksamen Betrachter das großzügig verwendete Füllmaterial auf. 

 

 

 

 

Wenn wir schon dabei sind, dann aber gleich richtig: Jetzt soll doch mal einer erzählen, wie man an diese obercoolen Gurtknöpfe vernünftig einen

Lederriemen dran bekommt. Sind totschick, aber praktisch? Tja, so was Ähnliches gilt leider auch für den wunderschönen Pickuprahmen.

Das hübsche transparente Rähmchen ist eher von geringerer Stabilität und neigen recht schnell dazu, Risse zu bekommen.

 

Will sich jemand daran zu schaffen machen, sollte er Vorsicht walten lassen, sonst kann er sich gleich einen Neuen bestellen.

Der Vollständigkeit halber hier lieber gleich dazu der Hinweis, die Tremolofeder nach unten hin zusätzlich mit Filz zu unterfüttern, da die Originalaustattung doch eher dürftig bzw. recht dünn ausgefallen ist. Es wäre zu schade, wenn eine intensive "Tremolanz" die Decke

nach einer Weile durchschubbert oder zumindest den Lack anfrist. Zu guter Letzt fällt mir auf, dass die Klinkenbuchse an der unteren Zargen

auch schon von kleineren Lackrissen umsäumt ist...

 

 

 

 

Aber jetzt Schluss mit dem Gemeckere. Die Gretsch ist eben nicht wie all die anderen. Und ebenso ist es ist kein großes Geheimnis oder Weisheit,

dass sie ihre Ecken und Kanten hat. Wer Brian Setzer und die anderen Gretsch-Player liebt, braucht eigentlich keine weiteren Erklärungen.

Was natürlich ärgerlich sein kann, ist wenn sich das Gefühl breit macht, eine Weltfirma kopiert sich selbst nur auf unzureichende Weise,

kassiert aber weiterhin Premiumpreise. Ach egal, so eine Gretsch gehört einfach in jeden gut sortierten Haushalt ...Tschöss!

 

 

 

 

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