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  • Esaite-Bericht: Framus Renegade Custom II,

  • Esaite-Bericht: Framus Renegade Pro

 

 

 


 

Im aktuellen Katalog ist die Renegade-Reihe nicht mehr vertreten. Konzeptionell könnte hier eine ganz eigene deutsche Variante der Fender Telecaster 52 Reissue geplant gewesen sein. Die Grundform des Korpus der Custom II ist bis auf das rückseitige sanft angedeutete Stratshaping schon nah an der Telecaster dran. Die Pickup-Bestückung mit dem Duncan-Minihumbucker am Hals verweist auf die Fender Hotrod Serie.


Alles andere hat dann aber mit dem Fender-Instrument nichts mehr zu tun. Die Kopfplatte zeigt sich mit drei Stimmern links und drei rechts (top locking), zur Halsbefestigung reichen zwei Schrauben aus, das Elektro-Fach findet sich auf der Korpus-Rückseite.

 

 

 

 

Während die Fender 52 RI mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von rund EUR 2.200 aufwartet, aber zu einem Straßenpreis von rund EUR 1.700 bis EUR 1.800 gehandelt wird, lag die Renegade bei EUR 1.600 bis EUR 1.800 im Laden. Abgesehen von dem Modell Vintage Hollywood startet die Framus-Wunschpreis-Liste ganz unten mit EUR 2. 059 für die Diablo im transparenten Satinfinish und endet bei EUR 4.959 für die Attila Zoller, Modell AZ 10 2 PU.


An Modellen und deren Varianten sind insgesamt 84 Stück gelistet. Wenn ich das auf die Schnelle überfliege, so komme ich auf rund EUR 3.000 (gewogenes Mittel), die die Familie Wilfer durchschnittlich für eine Gitarre made in Germany im Handel erlösen lassen will. Für Durchschnittsverdiener bleiben dann nur die koreanischen und chinesischen Framus- (und Warwick-) Instrumente finanziell interessant.

 

Ein gewisses Indiz für eine möglicherweise überzogene Preispolitik könnten die Preise auf dem Gebrauchtmarkt sein. Eigene Beobachtungen über die letzten 3-4 Jahre zeigen, dass hier die Verkaufspreise von gebrauchten Framus/Warwick-Instrumenten in gutem Zustand lediglich eine Höhe zwischen EUR 500 und EUR 800 erreichen. Ausgenommen punktuelle Ausreißer nach oben und unten als auch besonders begehrte Modelle (Warwick Thumb).

  

 

 

 

 

 

Geht man etwas anders an die Sache, wird einem die Denke dahinter vielleicht deutlicher. Herr Wilfer und seine Mutter wussten anscheinend schon immer, dass ikonenhafte Fantasiepreise der Premiumserien dabei helfen, das Preisniveau für das Massengeschäft profitabel zu halten. Wer so als Hersteller plant, ist nur konsequent, sich ein „Museum“ auf die Wiese hinzustellen und die eigene Vergangenheit (und Gegenwart) über den Klee zu loben. Nee, ist klar! Alles was Du hier siehst, ist echt alt und total wertvoll.

 

Eigentlich wollen die Leute alle diese irre teuren Framusgitarren aus den 50ern. Ich kann es mir leider nicht verkneifen, zumal es von der jüngsten Zeit längst überholt wurde und es auch wohl keinen mehr juckt. In meiner präadoleszenten Phase hieß es immer: You can't get famous with a Framus. Das scheint lange überholt, wenn man sich die Liste der namhaften Endorser anschaut. Aber wie so oft, wird auch andersherum ein Schuh draus. Die Berühmheit der heutigen Werbe-Ikonen von Weltruf entwickelte sich zu Zeiten als kaum einer mit Wilfers Klampfen unterwegs war... der Unter-nehmer war also hinter den Stars her und nicht anders herum, wie wir es glauben sollen.

 

 

 

 

Also, was gibt es fürs Geld? Wie sicher ist unsere Investition? Wie entwickelt sich die Werthaltigkeit? Soll man Framus-Anleihen kaufen? Halt stopp! Das wäre eine andere Geschichte. Diese Renegade wiegt ziemlich genau nur 3 Kilogramm. Der Katalog sagte etwas von 3,4 kg. Verarbeitet wurde hier für den Body Sumpfesche, zweiteilig mit US-Herkunft.

 

Der Hals startet mit einer Sattelbreite von 42 mm und geht auf 51.8 mm im 12. Bund. Als Halsstärke vor dem 1. Bundstäbchen habe ich schlappe 19.4 mm festgestellt. Beim 12. Bund werden es dann immerhin 23.3 mm. Für mich fühlt sich das ungewohnt aber durchaus angenehm an. Die Halsform erinnert mich an ein modernes „C“ (die Fender Tele 52 hat ein kräftiges „U“), beim Bundformat würde ich auf Jumbo tippen. Das sogenannte Set Up wurde mittels der Plek-Maschine astrein optimiert. Die typische Kopfplatten-Sollbruchstelle wurde schlauerweise durch eine Verdickung (Volute) verstärkt.

 

 

 

 

Ich bin grundsätzlich nicht unerfreut über die Klemm-Mechaniken, aber finde das Top Locking unpraktisch. Ohne Hilfsmittel/Werkzeug wird

das hier nichts mit dem ungeplanten Saitenwechsel. Die Einpassung des Halses in die Halstasche ist famos gelungen und zeugt von erstklassiger CNC-Präzision. Da ist nicht ein Hauch eines Spalts, so dass man sich getrost wagt, nur 2 Schrauben für die Fixierungen zu verwenden. Wirklich spitzenmäßig gemacht!


Armselig wird es leider bei der Befestigung der modern style Tele-Bridge (strings through the body). Ich habe dieses Teil abgeschraubt und fand 5 kurze dämliche Pickguard-Schrauben in meiner Hand. Das mutet geizig an. Sparen an der falschen Stelle. Ja, ja, soll denn nur der Saitendruck die Brücke halten und die Minischräublis verhindern lediglich das Verrutschen?! Hier ist Änderungsbedarf. Die 12 mm messenden Schrauben tauschte ich gegen welche mit einer Länge von 20 mm. Die lassen sich für einen schwingungsfördernden Arsch-auf-Eimer-Kontakt wenigstens vernünftig anziehen. Die Bilderchen dazu habe ich ganz unten auf dieser Seite eingestellt.

 

 

 

 

 

 

Jetzt wird es emotional: Ich wusste es. Die Madenschrauben der Einzelreiter sind beim meinem Exemplar zu lang und pieksen den aufgelegten Handballen. Das macht nicht viel aus, wenn man so 20 Minuten am Tag herum klampft. Ein ganzer Probeabend schubbert einem dann aber doch den Ballen auf. Wie in vielen anderen Fällen habe ich das geändert und Madenschrauben der passenden Länge eingeschraubt. Wieso kann das nicht vom Werk aus gleich richtig gemacht werden? Wir sind hier doch nicht in der Ramschabteilung gelandet und mit Vintage-Flair hat das wohl rein gar nichts zu tun.

 

Dann doch wieder gut gefällt der patentierte Deckel für das Elektro-Fach, wo der 3-Wege-Schalter (Schaller) und die 2 Potentiometer (MEC) untergebracht sind. Ohne Schraubendreher lässt sich der Deckel einfach öffnen und schließen. Eventuell wird es für Leute mit Wurstfingern etwas zu filigran. Wer den Deckel nicht ordentlich andrückt und einrasten lässt, macht bald die Erfahrung, dass er von allein herunter fällt. Aber welcher Normalverbraucher muss hier schon häufiger ran?

 

 

 

 

In der Halsposition hat man sich für einen Minihumbucker SM-1 von Seymour Duncan entschieden. Ob dafür die Fender Telecaster Vintage 52 Hotrod Vorbild war? Da der Pickup nicht in einer Flucht mit dem Griffbrett positioniert war,

steckte ich ein Stück geknickter Pappe als Ausgleich zwischen PU und Fräsrand. Nicht besonders hübsch, aber für den Moment geht es erst einmal.
Am Steg sitzt ein moderner Duncan Tele Bridge PU mit der Bezeichnung STK-T3B, Herstellungsdatum 20.11.2007. Dieser Pickup ist hochohmig, zweispulig (stack, Spulen übereinander), vieradrig ausgelegt und soll einen brummfreien Singlecoilsound bringen. Das ist auch soweit gelungen. Mir persönlich klingt das zu glatt gebügelt. Ich bedauere die fehlende Dynamik eines echten Singlecoil-PU.

 

Es kommt mir in den Sinn, ob ich nicht über ein Push-Pull-Poti eine der anderen Schaltungsmöglichkeiten für diesen Pickup probiere. Vielleicht hilft's.  Die Kombination mit dem Minihumbucker weiß zu gefallen. Allein, der Hals-PU für sich, kommt rund und voll. Aber Vorsicht. Ist er auf der Bass-Seite zu dicht an den Saiten, wird es schnell schwammig, dumpf sowie zu laut im Verhältnis zum Bridge-PU. Ich habe ihn wie einen Fender-PU auf Kipp justiert. Diskantsaiten dicht dran, Bass gut ein Stück entfernt. Hier nun auch bitte nicht übertrieben großen Abstand nehmen, damit eine Direktheit des Tones erhalten bleiben kann. 

 

 

 

 

Temporär habe ich den Bridge-PU gegen einen Fender Vintage 52 Alnico 3 getauscht. In der Konstellation mit dem Minihumbucker werden aus dem Normalwert von 7,6 kOhm jetzt 2,4. Der Pickup wird leise und klingt in der Kombination mit dem Hals-PU dann aber schon wesentlich lauter. Was wir zu Ohren bekommen klingt nach Out-of-phase. Dabei ist der Klang aber wunderbar hohl und knackig. Ich habe es laut mit Band probiert. Klingt klasse, hat aber eine gewisse ungewohnte Feedback-Neigung, da man wegen geringen Outputs  den Amp ordentlich aufdrehen muss.

 

Ein Berufsmusiker hört davon vor kurzem eine Aufnahme. Er wurde sogleich neugierig und fragte, woher den dieser Sound käme? Übertrieben locker parierte ich lapidar mit: Fender Vintage Tele 52 Pickup mit Alnico 3 Magneten.
Ach, jetzt fällt es mir wieder ein: Die Werksaiten (Framus Nickel Plated Steel 09-46) klingen für meine Ohren unpassend hell und spiddelig. Nach dem Wechsel auf Pure Nickel Strings (10-46) sah das schon ganz anders aus. Gut, das war zu erwarten, da wir hier Esche am Start haben.

 

 

 

 

Das Ende vom Lied oder besser, der momentane Zwischenstand. Denn hier soll noch bei nächster Gelegenheit von meiner Seite etwas passieren. Trotzdem kann man sagen, die offensichtlichen Anleihen bei der Fender Vintage Telecaster 52 sind kaum zufällig. Was über die Ladentheke gereicht wird, hat nur sehr wenig damit zu tun. Bezahlt man im Ausverkauf EUR 799 dafür, kann man die Schwachpunkte locker in Kauf nehmen, denn die Substanz und Verarbeitung sind top!

 

Als Minuspunkte werte ich das Top Locking der Mechaniken, die Brückenverschraubung, die fehlenden Schaltungsmöglichkeiten für den Brückentonabnehmer und den in den ersten Lagen etwas dünn geratenen Hals. Aber das alles merkt nicht jeder, legt darauf auch möglicherweise keinen größeren Wert oder stellt die adrette Abtrünnige (Renegade) ohnehin schnellstens in die staubfreie Vitrine. Hübsch anzusehen ist sie ja sowieso.

 

 

 


 

 

 Framus Renegade Pro

 

 

 

 

Diese leicht abgerockte Aubergine stammt aus dem Jahr 1996. Der Eschekorpus wurde mit einem palisandierten Riegelahornhals versehen.

Der "Einlieferungszustand" war doch einigermaßen beschissen, was aber nichtsdestotrotz einer reizvollen Klangausbeute nicht im Wege stand.

Die Waage zeigt ein Gewicht von moderaten 3,66 kg an. Die begradigte obere Schlagbrettkante wirkt zunächst vielleicht ein wenig unelegant.

 

 

 

 

 

 

Die Saitenlage ist relativ gruselig. Alles Gefummel nützt nicht wirklich etwas, wenn der Sattel mit zu tiefen Kerben aufwartet. Die Saiten

liegen fast auf dem ersten Bundstäbchen auf. Leersaiten geben ein deutliches Schnattern von sich. Leider scheint der Ausbau des Sattels

wider erwarten nicht ganz unkompliziert zu sein. Daher machen wir uns an eine Rekonstruktion. Das Teil wird um rund 50% herunter geschliffen:

Zunächst mit grober 80er Körnung, später dann feiner.

 

 

 

 

 

 

Der halbe Sattel ist mittlerweile pulverisiert. Die verbliebenen jetzt flachen Kerben werden mittels einer Nadel mit Sekundenkleber ausgestrichen

und danach mit dem Sattelmehl aufgefüllt. Dann muss man etwas warten bis sich das Gemenge verfestigt hat. Wenn man im Anschluss die Saiten in die aufgefüllten kaum mehr vorhandenen Schlitze fügt, presst man das Füllmaterial weiter zusammen.

 

Nach einer Weile ist der Zeitpunkt gekommen, die Schlitze mit den Feilen auf die gewünschte richtige Höhe zu bringen. Bei der G-Saite geraten wir dabei etwas zu tief und wiederholen daher das Prozedere erfolgreich. Wer die Optik noch weiter verbessern möchte, kann die verbliebenen Bearbeitungsreste abschmirgeln und den Sattel polieren.

 

 

 

 

 

 

Nach dieser Großtat kann man gleich die Tuners festdrehen, weil die doch nach Jahren fast immer recht lose geworden sind. Jetzt wollen

wir den Hals abbauen. Dieses Überraschungsei offenbart uns zwei zusätzliche Halsbefestigungsschrauben unter dem Halstonabnehmer.

 

Dazu ein fetter (und zu langer) hölzener Unterleger. Das mal zum Thema Präzisionsfräsung im Hause Framus/Warwick. Da ist die Halstasche

reichlich zu tief geraten und der Halswinkel stimmt immernoch nicht richtig. Das können wir aber ändern indem wir das noch weiter aus-

füttern - leider.

 

 

 

 

 

 

Hier eben mal noch die Bilder zum Vergleich Sattel vorher/nachher. Die Halsrückseite wurde mit feinster Stahlwolle leicht abgerieben und geölt.

 

 

 

 

Der Hals hat wenig überraschend ein Format wie die Custom II: Unten eher dünn und oben kräftig. Die Gitarre klingt wie eine Stratocaster reich an silbrigen Höhen. Bis auf die beiden Steg-PUs sind die Pickups auf Vintageoutput kalibriert. Der Duncan Rail-PU ist recht dicht am Wilkinson Tremolo,

was eher spitze Höhen zeitig, die auch mal im Hi-Gain etwas aufdringlich sein können. Mit dem Volumenregler kann durch ziehen/drücken

zwischen den beiden Bridge-Pickups gewechselt werden.

 

Nach 20 Jahren ist die Renegade Pro allemal eingespielt und ein wirklich gutes Instrument mit von Natur aus tendenziell wenigen Mitten,

die aber durch den Charakter der zwei Stegtonabnehmer ausgeglichen werden. Etwas verwunderlich mutet es an, dass keine Locking Tuners

verbaut wurden, die allerdings bei der Custom II montiert sind, die darauf weniger angewiesen ist.

 

 

 

 

 

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